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24.Feb. 2016
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Erbsenbär-Empfingen-animiert straw bear

Die Welt der Strohvermummung

Ausstellung Strohvermummung straw bear

Erbsenbär-Empfingen-animiert straw bear

Aufnahmen mit -Symbol sind interaktive Bilder.
Wird eine beliebige Strohfigur mit dem Cursor berührt, erfolgt die Einblendung des Namens und Ortes
(Ein zusätzlicher "Mausklick links" öffnet ein Fenster mit Fotografie).

In der Bundesrepublik gibt es noch eine einzigartige Vielfalt von Strohvermummungen.


Verbreitung:
In nun insgesamt 214 erfassten Orten des Bundesgebietes wird heute noch die Brauchausführung der Strohvermummung gepflegt. In Thüringen (67Orte) und Hessen (57 Orte) trifft man die meisten Strohgestalten, am häufigsten als Stroh- und Erbsbären. Mit 26 Orten hat der hessische Vogelsbergkreis(VB) die größte Verbreitungsdichte in Deutschland, gefolgt vom thüringischen Kyffhäuserkreis (KYF) mit 22 Orten. In Baden-Württemberg sind es 31 Orte. In Bayern gibt es in 18 Orten Strohbären, überwiegend in fränkischem Gebiet. Sachsen-Anhalt hat 13 Orte mit Strohvermummung. In Rheinland-Pfalz pflegen 9 Orte auf dem Hunsrück und in der Eifel das strohige Brauchtum. 9 Orte habe ich in Niedersachsen gefunden, 7 in Nordrhein-Westfalen und jeweils ein Ort in Brandenburg und Saarland. Dass es in anderen Bundesländern, wie etwa Sachsen und weitere gar keine Strohgestalten geben soll, halte ich eher für unwahrscheinlich. Also bitte melden, wer dort einen Ort weiß. Jeder gemeldete Ort wird dokumentiert und bekommt eine Registernummer.

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Strohbären selbst am geographischen Mittelpunkt Deutschlands.

An Deutschlands geographischem Mittelpunkt ist die Brauchausführung der Strohvermummung noch lebendig.
In den drei Vogteigemeinden Oberdorla, Niederdorla und Langula (Unstrut-Hainich-Kreis, Thüringen).
Dort trifft man die Strohbären am Pfingstdienstag an. Die Gemeinden haben evangelischen Glauben.

Das hat schon Symbolcharakter für ein Kulturerbe, das in fast ganz Deutschland als Brauchausführung vorhanden war.
Ein Kulturerbe, in der Vergangeheit viel zu lange auf den Kontext mit "Katholisch" und "Fastnacht/Karneval" reduziert.

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Übersicht der Strohvermummungsbräuche in Baden-Württemberg (Ort / Register-Nr):


(Bei Anklicken der Registernummer erscheint Abbildung der jeweiligen Strohgestalt)

Mit den neu erfaßten Orten Hettingen und Unterwittstadt ist der Neckar-Odenwald-Kreis (MOS) nun mit sechs Orten
der "Strohgestalten-Landkreis Nummero eins" in Baden-Württemberg. Dort wird Fränkische Fastnacht gefeiert.
Der Landkreis Calw (CW) und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (FR) folgen je mit fünf (evangelischen) Orten,
deren tradierte Brauchausführungen im Weihnachtsfestkreis (CW) und im Osterfestkreis (FR) zu finden sind.
Bemerkenswert ist, dass von den 29 baden-württembergischen Ortschaften mit Strohgestalten nur 11 zum Einzugsgebiet der
schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehören.

Strohbär Strohmann Strohbutz Hisgier Kloas Pelzmärtle Kirmesbär
Katholisch
Protestantisch
Fastnacht
außerhalb der Fastnacht
Böttingen
(005)
Geisingen-Leipferdingen
(014)
Mulfingen-Ailringen
(006)
! NEU !
Buggingen
(215)
Altensteig-Walddorf
(018)
Bad Herrenalb-
Gaistal(011)
Großeicholzheim
(068)
Buchen(Odenwald)
(015)
Ravenstein-Unterwittstadt (205) Mulfingen-Zaisenhausen
(007)
Buggingen-Betberg
(169)
Ebhausen-Ebershardt
(019)
Bad Wildbad-
Nonnenmiss(013)
Buchen-Hettingen
(206)
Sigmaringendorf
(017)
Buggingen-Seefelden
(010)
Bad Wildbad-
Sprollenhaus (012)
Empfingen
(001)
Müllheim-Britzingen
(168)
Epfendorf
(021)
Müllheim-Zunzingen
(023)
Geislingen-Binsdorf
(029)
Sulzburg-Laufen
(016)
Osterburken
(066)
Singen
(003)
Tübingen-Hirschau
(002)
Tuttlingen-Nendingen
(008)
Walldürn
(004)
Wellendingen
(022)
Wellendingen-Wilflingen
(031)

Erbsenstrohbär Empfingen straw bear

Reg-Nr. 001: --- Erbsenbären Empfingen , Lkr. Freudenstadt (FDS), Baden-Württemberg
Mit der Erfassung und Erforschung des Empfinger Strohbärenbrauchtums (1980) begannen diese
Registrierungs- und Dokumentationsarbeiten zu den Strohvermummungsbräuchen in der Bundesrepublik Deutschland
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Einstige Verbreitung:
Strohbären hatten früher eine weite Verbreitung in Deutschland, die bis nach Pommern ging. Anhand der Auswertung von Hinweisen in Heimatliteratur, Aufsätzen und sonstigen schriftlichen Abhandlungen zur Ausführung von Strohvermummungsbräuchen in früherer Zeit, sind für einige Regionen, im Gegensatz zu heute, eine kräftige Verdichtung erkennbar. Im Rheinland war der Erbsenbär vor dem Aufkommen des Karnevals auf den Dörfern eine der herkömmlichen Figuren in der bäuerlichen Fastnacht. So gut wie jeder Ort mit landwirtschaftlicher Prägung kannte den Strohbären. Dasselbe gilt für Südwestdeutschland. Im Gebiet vom oberen Neckar bis an den Bodensee traf man den Bären aus Erbsenstroh oder aus Langhalmstroh (Dinkel-,Roggen-,Hafer- und Weizenstroh) an.

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Tag der Brauchausführung:
Umgänge mit Strohgestalten gibt es an allen wichtigen Terminen des Jahresablaufes. Am häufigsten treten sie natürlich an der Fastnacht auf. Hier wiederum ist der Fastnachtsdienstag an vorderster Stelle, jedoch auch am Fastnachtsmontag, -sonntag und am Donnerstag davor (Schmotziger Donnerstag) kann man Strohbären antreffen. Im Laufe des beweglichen Osterfestkreises gehen Strohgestalten an den Fastensonntagen Lätare und Oculi um. Weiter am Ostermontag, Christi Himmelfahrt , Pfingsten und Pfingstmontag. Außerhalb der kirchlichen Festkreise Weihnachten und Ostern gibt es am Sonntag nach der Sommersonnenwende einen Brauchumgang. Der Kirmesbär tritt an vielen der Kirmesfeste auf. Meistens am Samstagnachmittag wird mit ihm im Ort gesammelt. (je nach Orts-Kirchweih an einem Wochenende zwischen Juli und November) Im Weihnachtsfestkreis trift man Strohvermummungen am Nikolaustag und Heiligabend an. Ebenso am 2. Weihnachtsfeiertag und am 27. Dezember. An Silvester und Neujahr und am 2. Februar (Lichtmeß)


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Konfession:
Das Spannende an diesem Thema ist die leider noch häufig vertretene Meinung, dass die Brauchausführung des Strohbärenumganges auf die Fastnacht und den Karneval reduziert sind. Das wurde durch das Strohbärenregister eindeutig widerlegt.
Es gibt ungefähr die gleiche Anzahl "protestantischer" wie "katholischer" Strohgestalten .
Im hessischenVogelsbergkreis mit seinen 26 brauchausführenden Orten sind 25 davon vom Ursprung her protestantisch geprägt.
Die Ortsherrschaften einiger dieser Orte schlossen sich schon früh der Reformation an.

Zehn dieser evangelischen Orte kennen aber trotzdem den Fastnachtsdienstag als Heischumgangstag mit dem Strohbären.
Somit ist auch die ab und an geschriebene Mutmaßung, Heischeumgäge an der Fastnacht wären rein mit katholischem Hintergrund belegt, doch etwas inkorrekt.
Da die katholischen Fastengebote von den Reformatoren einst abgelehnt wurden, sind auch hier neue Denkansätze gefragt. Hatte das Einsammeln von Eier, Wurst und Speck unbedingt mit dem notwendigen Verbrauch vor der Fastenzeit zu tun? Vielleicht reicht zum Verständnis die einfache Überlegung aus, dass diese drei Lebensmittel in allen landwirtschaftlichen Haushalten im Dorf am ehesten vorhanden und an die Heischenden abgegeben werden konnten. Wenn alles so leicht erklärbar wäre, wie mancher Autor es zu wissen meint, dann käme auch nie die Frage auf, warum weitere sieben dieser 25 evangelischen Orte den Strohbären mit Gefolge am 27. Dezember von Haus zu Haus streichen lassen. Und was sammeln die dann wohl? ------ Eier, Wurst und .....

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Einbindetechniken:
Interessant sind die Vorgänge beim Einbinden. Hier sind bundesweit vier voneinander getrennte Verarbeitungsarten zu erkennen. Dies kann sich von einem Ort zum anderen in einer Region unterscheiden, jedoch wieder mit den Ausführungen eines geografisch weit entfernten Ortes übereinstimmen. Es dürfte sich daraus resultieren, daß früher das Stroh in Haushalt und Landwirtschaft ein Allzweckmittel war. Die Handwerkstechniken -- Flechten (Strohzöpfe) -- Drehen (Strohseile) -- Abdecken/überschieben (Strohdach) -- und --Zwirnen (Strohmatten und -umhänge)-- wurden in jedem landwirtschaftlichen Haushalt beherrscht und später in wirtschaftlich strukturschwachen Regionen (z.B. Schwarzwald) sogar weiterentwickelt bis zur industriellen Verarbeitung (Strohhüte / Strohtaschen) Der technische Umgang mit Stroh und Langhalmgräsern ist anhand von archäologischen Forschungen bis in die Jungsteinzeit nachgewiesen. Ein bekannteres Beispiel dafür dürfte der gezwirnte Grasumhang des "Ötzi" sein. Über die Rekonstruktion gab es kontroverse Diskussionen. Wetterschutzumhänge aus Stroh und Gräsern waren in ländlichen Gebieten früher eine verbreitete Nutzkleidung, die in Randkulturen, wie die des Viehhirten, in unserem Breitengrad, ebenso wie in Bereichen von Portugal und Spanien bis fast zur Mitte des 20. Jahrhunderts getragen wurden. Alle vier beschriebenen Techniken sind beim Einbinden von Strohvermummungen in Reinform in Gebrauch. Es gibt aber auch Strohfiguren in Mischform, bei dem beispielsweise Arme und Beine umwickelt, der Körper- und Kopfbereich aber mit stehendem Stroh eingebunden werden.

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Stroh-Gewicht und Einbindematerial:
Beim Einbinden aus Anlaß der Empfinger Narrentage wurde am 30.1.2011 mit einer geeichten BIZERBA-Waage das Stroh-Gewicht der Stroh- und Erbsenbären ermittelt. Der Langhalmstrohbär trug 11kg des 1,20m langen Roggenstrohs am Körper. Die Erbsenstrohbären hatten zwischen 20 und 25 kg Erbsenstroh zu tragen. Als Bindematerial wurden für den Langhalmstrohbären und für die Erbsenstrohbären jeweils pro Bär knapp 100 Meter Sisalschnur gemessen. Für die meisten Strohvermummungen, welche kein Kostüm sind, sondern noch direkt eingebunden werden verwendet man diese Sisalschnur. Manche Strohbären werden aber auch schon mit dem Bindematerial Kunststoffschnur ( Strohballenpresse) gemacht. Eine Besonderheit stellt der Strohbutz von Mulfingen-Ailringen dar. Er wird heute noch mit gedrehten Weiden-Gerten eingebunden. Auch beim Strohmann von Sigmaringendorf ist ein besonderes Einbindematerial zu sehen. Sein Stroh wird teilweise noch mit Garbenseilen am Körper gehalten. Die Sisalschnur, die hauptsächlich aus Brasilien stammt und aus den Fasern der Sisal-Agave (Agave sisalana) hergestellt wird, kam vielfach erst zwischen den beiden Weltkriegen und später zur Verwendung in unserer heimischen Landwirtschaft. Daher bleibt es offen, mit welchem Bindematerial vorher gearbeitet wurde. Neben den Weiden-Gerten könnten auch gedrehte Roggenstrohseile verwendet worden sein. Mit solchen Strohseilen band man früher die Getreidegarben. Diese Seile bewiesen bei meinen verschiedenen Einbindeexperimenten eine beachtliche Zug- und Haltefestigkeit. Das hat sich nun seit Entdeckung einer Illustration mit dazugehörigem Text ganz aktuell als richtige Vermutung erwiesen.

Heischeumgang-1897
Die Machart des Strohbären auf dieser Illustration aus dem Jahre 1897 wird folgendermaßen beschrieben:
"In Erbsenstroh gehüllt und mit Strohbändern umwunden"

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Schriftliche Quellen:
Zur Strohvermummung gibt es schon frühe Hinweise, die aber nicht den Brauchvorgang beschreiben, sondern die mögliche Strohvermummung in Zusammenhang mit einem Vergehen und der nachfolgenden Bestrafung erwähnen. So ist im Stadtbuch von Soest ein Eintrag vom 11.Februar 1483 zu finden: "Item op lesten Vastavent hadn dey smedeknechte eynen eren gesellen myt stro bewunnen und eme vorgebunden, dar seer unardich und untemlich leit ..." Der Wortlaut dieses immer wieder von Wissenschaftlern und Buchautoren zitierten Hinweises entstammt einer Transkription von 1895, welche aber mit dem Inhalt der Originalschrift nochmals von einem Schriftexperten auf Übereinstimmung geprüft werden sollte, da beim Vergleich des aus insgesamt 53 Worten bestehenden handschriftlichen Eintrages (in mittelniederdeutscher Ausdrucksweise) mit dem Transkriptionsdruck von 1895 doch einige, wenn auch nur kleinere Unterschiede auffallen. Bringt diese Neubewertung kein anderes Ergebnis, dann wäre dieser Eintrag der älteste bekannte schriftliche Hinweis auf eine eindeutige Strohvermummung. Manche Autoren erwähnen auch Sebastian Franck mit seinem großen Weltbuch von 1534 , wenn es um die frühe Datierung von Strohvermummung geht. Er schreibt "Zu mitterfasten machen sy an ettlichen orten ein stroinen man oder Butzen / angethon und zugericht wie ein todt / den tragen die versamletten jungen in die nahend gelegnen dörffer ...." Hierbei dürfte es sich aber eher um eine Strohpuppe im Brauche des Todaustragens gehandelt haben, als um das Vermummen einer Person in Stroh.

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Deutungen:
Heimatforscher, Volkskundler und Wissenschaftler deuten die Herkunft recht unterschiedlich. Es gibt vier Hauptableitungen (teilweise aber überholt), Wintervertreibung, heidnischer Brauch, Ableitung vom Wilden Mann und Nachahmung von in einstiger Zeit umherziehenden Gruppen mit Tanzbären. Da die ersten schriftlichen Erwähnungen der heute uns bekannten Strohvermummungsbrauchabläufe erst im ersten Viertel des 19.Jahrhunderts erfolgten, also im Zuge der Romantik, ländliche Bräuche aufzuschreiben, sind ideengeschichtlich verfaßte Verbindungsversuche zu Wintervertreibung, Heidentum und Wildem Mann rein spekulativ. Das naheliegendste wäre im Falle des Strohbären aus heutiger Sicht die Tanzbärendeutung. Bei den anderen Figuren gestaltet sich die Deutung etwas komplizierter. Technisch jedoch, betrachtet unter Weglassung aller gängigen Herkunftsparadigmen, war das Einbinden einer Strohvermummung schon sehr lange möglich. Seit dem Zeitpunkt als der Mensch handwerklich mit Stroh umzugehen begann. Es sollte aber niemand dazu verleiten, eine Kontinuität bis in die Vorzeit modellieren zu wollen, da es außer den handwerklichen Hinweisen keine weiteren Anhaltspunkte gibt.

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Hauptfigur einer Heischegruppe
Wenig beachtet wurde bisher die Funktion des Strohbären/der Strohvermummung als Hauptfigur einer Heischegruppe. Alle heute noch bekannten Bräuche mit Strohfiguren haben mehr oder weniger mit dem Brauch des Heischens, Bettelns, Zampern, Kötten zu tun oder stammen aus diesem Bereich heraus. Strohbären und andere Strohvermummungen traten nie als Einzelgänger auf. Ein Kupferstich aus dem Jahre 1818 und eine dazugehörige Brauchbeschreibung dokumentieren, zum Beispiel, die lange Tradition des Heischeumganges mit dem Strohbären

Älteste bekannte Darstellung einer Heischegruppe mit Strohbär
Heischeumgang-1818
Kupferstich aus dem Jahre 1818 (Ausschnitt)
Die Musikanten spielen Dudelsack, Geige und Flöte oder Schalmei

Auch der Volkskundler E.Meier dokumentierte 1852, in seinem Buch - Deutsche Sagen Sitten und Gebräuche einen Strohbärenumgang:

"In Wurmlingen bei Rotenburg macht ein Bursch den Fastnachtsnarren; er wird in Stroh gehüllt und an einem Seile als "Bär" im Dorf herumgefürt und muß tanzen, während ein Anderer die Flöte dazu bläßt. Dieser Bärentanz wird am Montag und Dienstag so fortgetrieben."

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Verbreitung in Europa:
In einigen Ländern Europas sind Strohvermummungen ebenfalls bekannt.

Land Bezeichnung Deutsche Übersetzung Ort
FrankreichBonhomme de PailleStrohmannMezilles (nur ganz selten)
Frankreich ( Elsaß)L'Iltis Der IltisBuschwiller
Frankreich ( Elsaß)ButzimummelButzimummelAttenschwiller
Großbritannien Straw BearStrohbär Whittlesey (Whittlesea)
Irland Wren Boys Zaunkönig-Jungs
(Jäger des Zaunkönigs)
in vielen Orten
Italien L'Orso di PagliaStrohbärValdieri
Kroatienmedvjede od slame StrohbärJosipovac, Punitovci
Österreich Strohschab Strohschab Bad Mitterndorf
Polenwodzenie niedźwiedźia Bärenführen in mehreren Orten
Rumänien ursului de paieStrohbär Gura Humorului, Paltinoasa
Tschechien medvedBär Kostice, Jimlin, Kozojedy
Ukraine ursul de paieStrohbärKrasnojilsk
(rumänisch-sprachiges Gebiet)


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Die Narrenidee: Die Fastnachtsforschung der letzten Jahrzehnte setzte sich mit liturgiegeschichtlichen Zusammenhängen zwischen Fastnachtsbrauchausführung und christlichem Kalender auseinander. Es wurde das Zwei-Staaten-Denkmodell des Heiligen Augustinus in den Vordergrund gerückt. Augustinus lebte im 5. Jahrhundert. Seine Lehre hatte bedeutenden Einfluß auf die Denkweise der Kirche und der Menschen des Mittelalters und spiegelt sich auch in einigen künstlerischen Darstellungen aus dieser Zeit wider. Das Wissen um diesen Hintergrund ist notwendig, um das eigentlich konträr erscheinende Bild der Fastenzeit zur vorausgehenden Fastnacht in seiner Grundbetrachtung logisch nachvollziehen zu können. Die zwei Staaten waren der Gottesstaat (Civitas Dei), das ewige Reich Gottes, und der vergängliche Teufelsstaat (Civitas Diaboli), der nur eine Endlichkeit lang bestehen kann. Wer in das himmlische Jerusalem, also in das Gottesreich, einziehen möchte, muß auf Erden schon an die Ewigkeit glauben und danach leben. Beschränkung der irdischen Dinge, Leben nach guten Tugenden und Gottesliebe bis zur Selbstaufgabe. Dafür steht (symbolisch) die Fastenzeit. Das Gottesreich ist ein Werk Gottes und Gottes Sohn herrscht dort in unendlicher Zeit. Das Teufelsreich dagegen errichteten falsche Götter, Teufel, Hexen, Riesen und Antichristen. Beherrscht von Narrenkönigen und -prinzen finden dort die Heiden, Sünder und Narren ihren Platz, allesamt Personen, die nur voller Selbstliebe sind, nach uneingeschränktem Ruhm streben und Gott verachten, oder dessen Existenz sogar ganz verleugnen. Wer in Selbstliebe lebt, kennt keine Enthaltsamkeit, macht alles was ihm gefällt, lebt ohne Rücksicht auf andere, im Jetzt, ohne tiefer darüber nachzudenken. Für dieses ausschweifende Leben stand zuerst die " Nacht vor dem Fasten " das sich dann aber auf mehrere Tage (Fastnacht) ausdehnte. Hier scheint die christliche Kirche bewußt einen begrenzten Raum gelassen zu haben, in welchem sich der Mensch nochmals richtig ausleben, oder sprichwörtlich, Dampf ablassen kann, aber ihm dabei auch bildlich vorgeführt wird, dass das Reich des Teufels und der Narren nur eine kurze Zeit andauern kann. Der anschließende Beginn der als Ewigkeit erscheinenden, 40-tägigen Zeit des Fastens und der Buße ist dann der Wendepunkt, sich dem Heil der Kirche und dem himmlischen Jerusalem zuzuwenden. ---- In ähnlicher Weise ist die Idee des Narrenschiffes zu betrachten, das als Gegenstück zum Kirchenschiff beschrieben wird. Das Narrenschiff (navicula stultorum) auf dem die Gemeinschaft der Narren, Toren und Ungläubigen versammelt ist, fährt dem Untergang entgegen. Wer seine Seele retten will muß in das Schiff der Kirche umsteigen. Also Umkehr, Buße tun, denn das Schiff der Kirche wird nicht untergehen und in den sicheren Hafen des himmlischen Jerusalem einfahren. So die Grundbetrachtung, die dann, als weiteren bildlichen Schritt den Narren, erkennbar mit (Gugel)-Kappe, Eselsohren, Hahnenkamm, Schellen und Marotte hervorbrachte, der in den vielen Miniaturen zum 52.Psalm als Gegenstück zum weisen König Salomo dargestellt wird. Der Narr galt als Träger der Laster, die seine innere Abkehr von Gott verdeutlichen und diese Laster an ihm darum sinnbildich in Kleidung und Attributen aufgezeigt werden. Für den Gläubigen war der Narr somit ein Mitläufer des Teufels. Dem Gläubigen zeigte man im Mittelalter diese Laster sehr gerne in Sinnbildern, die unter anderem auch mit bestimmten Tieren dargestellt wurden. Die sieben Laster, Hochmut (Superbia), Geiz ( Avaritia), Wollust (Luxuria), Zorn (Ira), Völlerei (Gula), Neid (Invidia), Faulheit (Acedia) entsprachen nach damaligem Empfinden der Eigenart oder dem Verhalten bestimmter Tiere. Als gutes Beispiel ein stolz schreitender Pfau, Sinnbild des Hochmutes. In dieser Allegorese wird mit dem Bär die Wollust (Luxuria) versinnbildlicht.

Zum tieferen Verständnis der Narrenidee sei hier das 1986 erschienene Standardwerk Fastnacht-Fasching-Karneval -- Fest der verkehrten Welt -- von Professor Dietz-Rüdiger Moser (1939-2010) angeführt. (Interessant im Buch auch die sehr schöne Erklärung, was die Narrenschellen/-glocken mit dem Glauben zu tun haben / Perikope des Fastnachtssonntages) - nach oben (zurück)


Auch für Kritik soll hier Raum sein ...
Der Bär als allegorische Darstellung der Wollust reicht für einige Autoren schlicht aus, dies ohne weitere Beweisführung einfach auf den Strohbären zu transformieren, um somit einen Kontext zur Narrenidee herzustellen. Ein Ansatzpunkt, der schon einer kritischen Hinterfragung bedarf. Ebenso die Verwendung eines Gedanken-Konstruktes in dem das "Stroh als leere Hülle" (christlich-mythologisch) ohne jeglichen "messbaren" Wert oder Quellangabe auf die "lebendigen" Strohgestalten angewendet wird. Hier wird je nach Geschmack und Zielvorgabe ein närrisches Rezept aus Allegorese, Metapher und (christlicher) Symbolik zusammengestellt. Für mich mangelt es aber nach wie vor an nachvollziehbaren wissenschaftlichen Beweisen.
An anderen Stellen wird die Strohvermummung mit den Strohpuppen aus Südeuropa in Verbindung gebracht, welche Fastnacht und Fastenzeit personifizieren, ebenso mit dem "pajass" oder dem "pagliaccio", aus den romanischen Sprachen stammende Bezeichnungen für Figuren, die auf den "Strohsack" zurückgehen. Der Pagliaccio ist eine der Figuren der Commedia dell'Arte und hat in unseren Gefilden den Bajass geprägt und vielleicht im weitesten Sinne noch die mit Stroh oder Heu ausgestopften Empailles, Pailhasses, Wampeler, Wuescht , Ausgestopften und Lumpenhunde . Da es in der Bundesrepublik mehr Strohgestalten als sonst in Europa gibt, ist es naheliegend, daß sich hier eine eigenständige Brauchform entwickelt hat, deren Hintergrund und Ursprung in seinem Gesamtumfang, wissenschaftlich gesehen, noch relativ unbeleuchtet ist.

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... und ein paar Schnappschüsse

Logo-Strohbär Strohbärin Zellingen straw bear Logo-Strohbär
Hübsche Strohbärin aus
Reg-Nr. 033: --- Zellingen , Landkreis Main-Spessart (MSP), Unterfranken, Bayern
(aufgenommen beim Einbinden der Strohbären an den Empfinger Narrentagen 2011 / Foto Marcus Michel)

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Logo-Strohbär Strohbär Empfingen Herbstein straw bear Logo-Strohbär
. Strohbären-Connection Herbstein-Empfingen (aufgenommen beim Europäischen Narrenfest in Stuttgart-Bad-Cannstatt 2009)

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Logo-Strohbär Strohbären Treffen Empfingen straw bear Logo-Strohbär
.Strohbären-Treffen in Empfingen
(aufgenommen an den Empfinger Narrentagen 2011 / Foto Marcus Michel )

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Logo-Strohbär Strohbär Empfingen Äschadreppler Hirschau Logo-Strohbär
.Strohbärenfreunde unter sich: Äschadreppler Hirschau und Erbsenstrohbär Empfingen (Mitte)
(aufgenommen beim Tiermaskentreffen am 20.1.2013 in Tübingen-Hirschau. Foto Martin Wekenmann )

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Logo-Strohbär Strohbär Empfingen Logo-Strohbär
Bären-Einbinden Fastnachtssonntag Empfingen 2013


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Logo-Strohbär Strohbär Empfingen Logo-Strohbär
9. Februar 2014, Internationales Narrentreffen in Willisau (Schweiz)
Die Unterhaltung mit den zwei netten Boppele aus Riedlingen machte mir einfach Spaß.

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